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Was ist traditionelles kontaktloses Taekwon-Do? – Wie kann man kontaktlos kämpfen?


In der Taekwon-Do Akademie wird kontaktloses traditionelles Taekwondo praktiziert.

 

Als Laie hat man den Begriff „Vollkontakt” schon einmal gehört, zumindest reimt man sich dessen Bedeutung in etwa so zusammen: Vollkontakt heißt voll zuschlagen. Folglich muss „Kontaktlos” das Gegenteil davon sein. Daher kommt der Gedanke, dass kontaktlose Kämpfer ihre Techniken nicht voll ausführen, sondern abstoppen. Das ist falsch, selbstverständlich geht es auch beim „Kontaktlosen Taekwon-Do Kampf” um Dominanz und Sieg.

 

Kontaktlos bedeutet im Taekwon-Do nicht berührungslos!

 

Im kontaktlosen Taekwon-Do gibt es keine abgestoppten oder nur leicht ausgeführten Techniken. Alle Techniken werden mit voller Kraft und in der ganzen Länge ausgeführt. Alles muss einen zwingenden Charakter haben, d. h. es muss eine Reaktion des Gegners erzwungen und auf den Gegenüber eingegangen werden.

 

Im Freikampf müssen die Kämpfer entsprechend ihrem Rang beim Angriff Abstand halten:

 

  • Anfänger dürfen sich nicht berühren,
  • Fortgeschrittene dürfen sich berühren und
  • DAN-Träger/ Meister müssen sich berühren, aber keiner darf den anderen absichtlich verletzen.

 

Verteidigungstechniken können im Gegensatz dazu mit ganzer Wirkung angewendet werden.

 

Bis Mitte der 70er Jahre konnte man bei Meisterschaften noch mit gutem Defensiv-Können gewinnen, da die Punktrichter auch die gelungene Verteidigung mit einem Punkt bewerteten. Dies wurde geändert, um die Kämpfe für das Publikum attraktiver zu gestalten (man stelle sich nur mal einen Kampf zwischen zwei Defensiv-Künstlern vor). Seitdem gibt es im kontaktlosen Taekwon-Do einen Punkt für den gelungenen Angriff zum Körperrumpf und zwei für den Kopf.

 

Manchmal sieht man Kämpfer die Arme vor den Kopf haltend, sich mit mehr oder weniger großem Abstand umkreisend, die Beine gen Himmel strecken – fast ein Tanz. Das ist kein kontaktloser Kampf, es fehlt das zwingende Element, das aufeinander Eingehen, die Dominanz und der Siegeswille, auch wenn dies bei manchen Meisterschaften so zu sehen ist. Das ist bestenfalls Show, oft aber nichts anderes als reine Selbstdarstellung.

 

Autor: GM Harald Peter, Copyright 1991